Lüneburg ließ das Salzfaß rollen: Am Wochenende feierte die Stadt Kopefest - gemeinsam mit dem Lüneburger Stadtfest eines der Großereignisse in der Region. Der Spaß hat Tradition, denn schon im 15. Jahrhundert galt die Kopefahrt als die Eignungsprüfung der neuen Sülfmeister. Ein mit Steinen gefülltes Holzfaß (Kope) wurde von der Saline zu Pferde im Galopp durch die Stadt gezogen - der Reiter, der dabei im Sattel blieb, war bestimmt einer von der geschickten Sorte. Schließlich fand das Spektakel im späten Winter statt, wenn die Straßen und Plätze noch vereist und feucht waren. Wer mit seinen Gehilfen den wilden Ritt schadlos überstand und außerdem bereit war, die Reiterspiele nebst Trinkgelagen der Lüneburger am Festtag zu bezahlen, durfte sich als neuer Sülfmeister einer gewissen Beliebtheit erfreuen.
Mit dem Niedergang der Saline geriet im 17. Jahrhundert das Kopefest in Vergessenheit, der Posten der Sülfmeister, die ehemals die Oberaufseher der Saline stellten, war nicht mehr attraktiv. Inzwischen aber ist die Kopefahrt wieder Bestandteil des Festkalenders: Am ersten Wochenende im Oktober beweisen die Lüneburger, daß sie auch heute noch etwas vom Handwerk des Fässerbaus und Kopeziehens verstehen. Diesmal fanden sich nach dem für die Schülermannschaften leider verregneten Auftakt über 200 Teilnehmer Am Sande ein. Acht Mannschaften sägten und stapelten gegeneinander und gegen die Uhr Holzstämme, sie transportierten Sole und Backsteine und nähten dann Salzsäcke. Sieger wurde die Mannschaft der Händler vom Wochenmarkt, sie stellten in "Elke I." erstmalige eine Sülfmeisterin.
Nach dem Festgottesdienst am Montag in Sankt Johannis zogen zahlreiche Vereine und Institutionen in historischen Gewändern durch die Fachwerkgassen, bevor bei Einbruch der Nacht ein letztes Salzfaß zum Abschluß der Kopefahrt in Flammen aufging.


fotos: Andreas Tamme. Web: www.tonwert21.de
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 31. März 2010 um 18:59 Uhr